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Projektarbeit mit Moodle

Projektarbeit mit Moodle

Bei der Durchführung von Projektarbeiten bereitet es den Schülern anfangs immer wieder Probleme, wenn einzelne Teammitglieder bei Arbeitsterminen in der Schule abwesend sind: Ausgerechnet der fehlende Schüler hatte den aktuellen Stand der Projektarbeit auf seinem USB-Stick oder nur die erkrankte Projektleiterin kennt ein dringend benötigtes Passwort. Dass die Schüler sich ganz bewusst und in der Praxis mit dem Thema „Abwesenheit von Teammitgliedern“ auseinandersetzen müssen, ist natürlich zu begrüßen. Schließlich wird ihnen so ein wichtiger Aspekt des Projektmanagements eindringlich deutlich gemacht, ohne dass der „didaktische Zeigefinger“ explizit darauf hinweisen muss.
Natürlich gibt es professionelle Tools, um die Zusammenarbeit und Versionierung für solche Fälle reibungslos zu gestalten, diese erfordern jedoch oft einen hohen Einarbeitungsaufwand und sind für kleinere Projekte oder den Einstieg in die Projektarbeit zu überfrachtet.
Mit diesem Beitrag möchte ich ein paar Anregungen dazu geben, wie Projektarbeit oder Projektunterricht stattdessen mit Hilfe des Lernmanagementsystems Moodle relativ einfach unterstützt werden kann, um damit die Schüler bei der Lösung der Probleme Abwesenheit/Kommunikation/Materialzugriff zu unterstützen. Insbesondere dann, wenn Moodle sowieso im Unterricht genutzt wird, sind die folgenden Vorschläge schnell umgesetzt. Ich habe den gleich vorgestellten Kursraum im Rahmen des (zweistündigen, halbjährigen) Projektunterrichts in einer 11. Klasse einer Fachoberschule (Informationstechnik) genutzt.
Gleichzeitig wird an dem Beispiel hoffentlich deutlich, dass Moodle bei weitem nicht (zwangsläufig) so lehrerzentriert ist, wie einige Kritiker von Moodle (oder LMS allgmein) immer wieder behaupten.

Umsetzung

Die Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule haben in der Regel wenig Erfahrung mit zeitlich und inhaltlich umfangreicheren Projekten. Die Projektarbeit in der 11. Klasse soll auch nicht die komplette Theorie des Projektmanagements vermitteln, sondern es sollen erste Erfahrungen gesammelt werden, die dann im zweiten Jahr für die Erlernung der notwendigen Theorie genutzt werden können. Zu Beginn der Projektarbeit haben die Schüler daher zunächst einige einfache Grundlagen zur Projektarbeit geklärt. Unter anderem haben sie Kriterien und Indikatoren für gute Projektarbeit erarbeitet, die gleichzeitig dann später zur Bewertung der Projekte genutzt werden konnten.Allgemeiner Teil
Die Ergebnisse dieser Vorarbeit wurde dann (noch ganz „klassisch“) in Moodle in einem eigenen „Projektraum“ (Kurs) zur Verfügung gestellt, so dass während der gesamten Projektarbeit der Zugriff auf diese Ergebnisse möglich war.

Für die eigentliche Projektarbeit wurde die Klasse (für Moodle-Insider: die globale Gruppe) innerhalb des Moodle-Kursraums entsprechend der Projektteams in Kleingruppen eingeteilt.

Jeder Gruppe sollten nun Mittel zur Kommunikation sowie zum Dateiaustausch zur Verfügung stehen. Moodle unterstützt für einige Kursbestandteile (die sogenannten „Aktivitäten“) von vornherein die Aufteilung der Kursteilnehmer in Kleingruppen. So muss eine derartige Aktivität nur einmalig eingerichtet werden und ist dann automatisch nur gruppenintern verfügbar.
So wurden für die Kommunikation der Projektteams ein „internes“ Forum sowie ein Gruppenchat eingerichtet, über die die Teammitglieder miteinander in Kontakt bleiben konnten, ohne Zugriff auf die Gespräche der anderen Gruppen zu haben. Die Schüler hatten dabei die Wahl, dass mehr auf dauerhafte Kommunikationsinhalte angelegte Forum oder den eher für Echtzeitgespräche geeigneten Chat zu nutzen (zusätzlich stand natürlich noch das Messaging-System von Moodle für 1:1-Gespräche zur Verfügung).

Die Einrichtung einer Plattform für den Material- bzw. Dateiaustausch (Aktivität „Verzeichnis„) gestaltet sich etwas komplizierter. Zum einen unterstützt Moodle hier den „Getrennte Gruppen“-Modus nicht, zum anderen haben „einfache“ Kursteilnehmer (also die Teammitglieder) in der Grundeinstellung der Aktivität nicht das Recht, selbst Dateien in das Verzeichnis hochzuladen.
Einstellung "Verzeichnis"Die erste Einschränkung kann dadurch aufgelöst werden, dass einfach mehrere Verzeichnis-Aktivitäten (entsprechend der Anzahl der Gruppen) angelegt werden, und jeweils nur einer Gruppe sichtbar gemacht werden (Einstellung „Voraussetzungen“ in den Aktivitätseinstellungen).
Für die Beseitigung der zweiten Einschränkung muss (ebenfalls unter den Aktivitätsoptionen) den Teilnehmern das Recht eingeräumt werden, die Dateien im Verzeichnis mit zu verwalten (und damit Dateien hinzuzufügen, also hochzuladen).

Idealerweise sollte – um Zeit zu sparen – zunächst eine Aktivität „Verzeichnis“ erstellt und die nötigen Einstellungen getroffen werden, bevor man diese Aktivität dann in der gewünschten Anzahl dupliziert.

Zu guter letzt wurde den Projektgruppen noch eine „Abgabe“-Aktivität eingerichtet, wo das Projektergebnis bei Bedarf direkt zur Bewertung hochgeladen werden konnte. Auch hier ist ein Gruppenmodus verfügbar, der es ermöglicht, dass ein Teammitglied das Ergebnis stellvertretend für das ganze Team hochlädt.

Einschränkungen

Die relevantesten Einschränkungen bei diesem „Projektraum“ sind eigentlich die geschilderten Mängel bei der Aktivität Verzeichnis. Hier merkt man Moodle die stark ausbilderzentrierte Vergangenheit an. Eine einfachere, schnellere Möglichkeit, Dateiablagen auch für Schüler zugänglich zu machen und die Aktivität auch gruppenmoduskompatibel zu gestalten, wäre wünschenswert.
Außerdem ist bei der Einrichtung eines solchen Projektraums die maximal hochladbare Dateigröße der jeweiligen Moodle-Installation zu beachten, die ggf. das Hochladen großer Dateien unmöglich machen könnte.

Fazit

Insgesamt ist auf diese Weise mit sehr wenig Aufwand schnell ein digitaler Raum gestaltet, in dem Schüler die wichtigsten Hilfsmittel zur Zusammenarbeit auch bei größeren Projekten nutzen können. Wesentliche Vorteile sind die schnelle Einrichtung durch Lehrende, sowie für die Schüler die Sammlung der nützlichen Tools an einer Stelle (ohne dass sie zur Nutzung „genötigt“ werden) mit einem Login.
Viele Gruppen der Klasse haben – wie unten ersichtlich – insbesondere die Möglichkeit zum Dateiaustausch und der zentralen Ablage der Projektdateien reichlich genutzt. Die Kommunikationsmittel blieben eher wenig genutzt, hier sind die Schüler vermutlich auf vertrautere Mittel wie Smartphone-Messenger ausgewichen.

Nutzung der Dateiablage

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